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Interview über die Zusammenarbeit von Hans Kupfer & Sohn und Weber.

Warum Service immer wichtiger wird und Digitalisierung kein Selbstzweck ist.

Die Wurstspezialitäten aus dem Hause Hans Kupfer & Sohn sind in den Kühlregalen etablierter Supermärkte eine feste Größe. Das familiengeführte Unternehmen aus Heilsbronn ist vor allem mit Aufschnittware gelistet und erfreut den Gaumen seiner Kunden mit einer reichhaltigen Palette. Der wirtschaftliche Erfolg von Kupfer ist zum einen dem guten Geschmack geschuldet und zum anderen das Resultat einer hochverfügbaren und dennoch variabel einsetzbaren Produktionstechnik. Hier setzt Kupfer verstärkt auf komplette Linien von Weber Maschinenbau. Über die Hintergründe des „Alles aus einer Hand“-Konzeptes sprach Fachredakteur Thorsten Sienk mit Gerhard Tauscher und Arthur Hahn aus der Prozesstechnik von Kupfer sowie Matthias Köster aus dem Hause Weber.

Vom Slicer über den Bandeinleger bis hin zur Verpackungsmaschine hat Weber alles projektiert und in den Produktionshallen von Kupfer in Betrieb genommen. Im Bild von links: Arthur Hahn, technischer Projektleiter bei Kupfer, Matthias Köster, Area Sales Manager bei Weber Maschinenbau, und Gerhard Tauscher, Leiter Prozesstechnik bei Kupfer.

Autor: Thorsten Sienk, freier Fachredakteur, Bodenwerder

Was zählt für Sie als Produzent von Wurstwaren, wenn Sie vor Investitionen in neue Produktionsanlagen stehen?

"Was unsere Linien betrifft haben wir klare Vorstellungen und die wollen wir schlüsselfertig umgesetzt bekommen."

Thorsten Sienk: Wenn wir einen Schritt zurückgehen und einen etwas allgemeineren Blick auf die Automatisierung im Maschinenbau werfen, dann fällt auf, dass es bei der Bewertung von Systemen immer weniger um einzelne harte Leistungszahlen geht, sondern vielmehr um Aspekte wie Verfügbarkeit, Total Costs of Ownership und Energieeffizienz. Wir können auch die Buzzwords Nachhaltigkeit und Digitalisierung hinzufügen. Was zählt für Sie als Produzent von Wurstwaren, wenn Sie vor Investitionen in neue Produktionsanlagen stehen?

Arthur Hahn: Wir brauchen einen Maschinenpark, der flexibel ist, damit wir die unterschiedlichen Wünsche des Marktes schnell erfüllen können. Die Erwartungshaltung unserer Kunden ist hoch. Wer nicht liefern kann, ist schnell raus.

Gerhard Tauscher: Verfügbarkeit zählt ganz maßgeblich. In einem gewissen Rahmen können wir den kurzfristigen Ausfall einer Produktionslinie zwar mit anderen Linien auffangen. Das klappt aber nicht bei allen Produkten. Wer bestellte Ware nicht liefern kann, riskiert schnell teure Vertragsstrafen. Der Druck hat zugenommen in den vergangenen Jahren. Was unsere Linien betrifft haben wir klare Vorstellungen und die wollen wir schlüsselfertig umgesetzt bekommen. Früher haben wir Linien mit Maschinen unterschiedlicher Hersteller selbst realisiert. Das war für uns viel Aufwand und führte regelmäßig zu Diskussionen zwischen den Herstellern, wenn etwas im Produktionsalltag nicht funktionierte. Heute setzen wir mit Weber Maschinenbau auf einen Partner, der uns die kompletten Anlagen liefert, mit uns gemeinsam die Projektierung macht und somit viel Aufwand abnimmt. Die Kompetenz für eine komplette Produktionslinie kommt so aus einer Hand.

Bei Kupfer liefern Sie aktuell komplette Produktionslinien. Entwickelt sich Weber zum GU?

"Erfolgreiche Partnerschaft geht weit über die reine Technik hinaus und endet auch nicht mit der Inbetriebnahme."

Thorsten Sienk: Die Firma Weber Maschinenbau ist vor allem bekannt für ihre Slicer. In den 80er Jahren haben die Mittelhessen damit entgegen aller Erwartungen den Markt revolutioniert. Und auch weitere Linienkomponenten wie Automatisierungslösungen und Scanner sind etablierte Portfoliobestandteile. Seit einigen Jahren gibt es dazu auch die passenden Weber Verpackungsmaschinen. Bei Kupfer liefern Sie aktuell komplette Produktionslinien. Das ist neu. Entwickelt sich Weber zum GU?

Matthias Köster: Flexibel und modular aufgebaute Komplettlinienkonzepte sind bei uns in der Tat eine in die Zukunft gerichtete Strategie – ohne dabei unsere Kernkompetenzen Slicen, Beladen und Verpacken zu vernachlässigen. Wir sind uns darüber im Klaren, dass der Erfolg nicht von einzelnen Maschinen abhängt, sondern vielmehr davon bestimmt ist, wohin sich Trends entwickeln. Ich denke hier zum Beispiel an Wege, Verpackungsmaterial einzusparen. Hier sind wir als Partner gefragt und gefordert. Wir warten nicht darauf, dass Kunden uns auf neue Entwicklungen ansprechen. Wir sind diejenigen, die Innovationen aktiv vorantreiben. Erfolgreiche Partnerschaft geht also weit über die reine Technik hinaus und endet auch nicht mit der Inbetriebnahme.

Wie muss ich mir diese Partnerschaft konkret vorstellen?

"Für uns steht das Ergebnis unserer Partner im Mittelpunkt."

Thorsten Sienk: Wie muss ich mir diese Partnerschaft konkret vorstellen?

Arthur Hahn: Mit Weber können wir über alles sprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. In unserer Branche funktioniert keine Bürokratie, wir brauchen direkte Zusammenarbeit. Hier machen wir mit Weber gerade ganz viel richtig.

Matthias Köster: Kupfer und Weber sind beides inhabergeführte mittelständische Unternehmen mit der Motivation, im Team anzupacken, um gemeinsam etwas Gutes zu schaffen. Dafür brauchte es Vertrauen, das direkte Gespräch mit kurzen Dienstwegen und vor allem Empathie. Diese Werte gehören bei Weber zur gelebten Firmenkultur. Für uns steht das Ergebnis unserer Partner im Mittelpunkt.

Arthur Hahn: Und genau so funktioniert die Partnerschaft. Wir kennen unser Know-how in der Verarbeitung von Wurstspezialitäten. Dieses Wissen gepaart mit unseren Anforderungen an die Technik nimmt Weber auf, erstellt daraus ein Konzept und am Ende bekommen wir eine richtig gute Produktionslinie.

Eine Zusammenarbeit die über Lieferung und Inbetriebnahme hinausgeht.

"Es geht schon lange nicht mehr darum, nur die Hardware hinzustellen"

Thorsten Sienk: Herr Köster, Sie haben erwähnt, dass die Zusammenarbeit über die Lieferung und Inbetriebnahme der Technik hinausgeht. Was heißt das konkret?

Matthias Köster: Mit Kupfer haben wir zunächst effizient arbeitende Linien konzipiert – und darüber hinaus auch das passende Servicekonzept. Denn Nachhaltigkeit und Partnerschaft definieren sich nicht durch Verkaufsabschlüsse, sondern im gemeinsamen Betreiben der Linien.

Gerhard Tauscher: Die Serviceverfügbarkeit zählt bei uns immer mehr, wenn wir die Angebote unterschiedlicher Hersteller vergleichen. Wir beurteilen im Vorfeld von Investitionsentscheidungen ebenfalls, wie sich die Anlagen eines Herstellers in der Vergangenheit geschlagen haben – gerade im Hinblick auf Lebensdauer und Standzeiten. Es geht schon lange nicht mehr darum, nur die Hardware hinzustellen.

Thorsten Sienk: Das heißt, Weber muss schnell vor Ort sein, wenn die Technik ausfällt? 

Gerhard Tauscher: Ganz genau. Wir haben kaum Redundanz, wenn eine Anlage ausfällt. Tritt der Fall ein und wir reagieren nicht schnell, dann summieren sich die Stillstandkosten schnell auf einen fünfstelligen Betrag. Das Personal muss bezahlt werden, auch wenn es nicht arbeiten kann. Es laufen Kosten für Umrüstungen und Technikerstunden auf, vielleicht auch Konventionalstrafen. Serviceverfügbarkeit ist ein ganz wichtiger Punkt. Auch wenn sich unsere Techniker gut auskennen: Sie sind keine Spezialisten, sondern Generalisten, die sich um mehr als 20 Linien kümmern müssen. Wenn wir intern nicht mehr weiterkommen, sind ausgebildete Weber-Techniker gefragt, die schnell verfügbar sein müssen. Wir haben keine zwei Tage Zeit. Unsere Anlagen stehen schließlich nicht im Museum. 

Chance, ganz gezielt Weiterentwicklung zu betreiben.

"Steht eine Reparatur aufgrund von Verschleiß an, ist der Service planbar."

Thorsten Sienk: Bei aller Wertschätzung für Remote Service und die Vorteile, die der Fernsupport bietet: Wie stellen Sie abseits der digitalen Möglichkeiten ganz handfest die zügige Ersatzteilversorgung sicher, wenn etwas kaputtgegangen ist?

Matthias Köster: Mit Kupfer haben wir gemeinsam eine Lagerhaltung von Ersatzteilen direkt vor Ort in Heilsbronn konzipiert. Seitens Weber betreten wir damit neues Terrain. Die Lagerstrategie sieht vor, gerade wiederkehrende Ersatzteile unmittelbar im Zugriff zu haben. Es gibt einmal in der Woche eine Inventur und eine klare Zuordnung der Teile zu den jeweiligen Maschinen. Wir müssen also keine Rücksicht auf die notwenige Zeit für Ersatzteilbeschaffung nehmen. Der Bestellweg wird kurz und wir sparen zudem die Kosten für eventuelle Expresssendungen. 

Arthur Hahn: Steht eine Reparatur aufgrund von Verschleiß an, ist der Service planbar. Ich kann also die Arbeiten zu einem Zeitpunkt erledigen, wenn die Anlage sowieso steht. Durch das Ersatzteillager hier vor Ort können wir flexibel agieren. Das macht das Ganze so charmant, gerade im Hinblick auf die Gesamtverfügbarkeit.

Matthias Köster: Für uns bringt die Lagerstrategie vor allem mit der Zuordnung von Ersatzteilbedarf pro Linie Vorteile mit sich, da wir anhand von realen Betriebsbedingungen sehen, an welchen Stellen erhöhter Verschleiß auftritt.

Thorsten Sienk: Das heißt, Sie haben über den Ersatzteilbedarf pro Linie die Chance, ganz gezielt Weiterentwicklung zu betreiben? 

Matthias Köster: Genau – diese entscheidenden Informationen bekommt man in keinem Prüffeld. 

Arthur Hahn: Es ist auch spannend zu erleben, wie sich die bei uns gesammelten Erfahrungen später in Anlagenverbesserungen niederschlagen. Das macht einen schon stolz und motiviert, wenn sich die eigenen Ideen in der nächsten Maschinengeneration wiederfinden. 

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